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Komplexe Phänomene sind das Ergebnis zum Teil recht einfacher Systeme. D.h. Komplexität und Unvorhersehbarkeit tritt bereits in einfachen Systemen auf, von denen man annehmen könnte eigentlich alles zu wissen.

Die Ergebnisse der neueren Komplexitätsforschung zeigen, dass Komplexität mehr die Regel als die Ausnahme darstellt und nicht mit noch mehr Wissen überwunden werde kann. Der Umgang mit Komplexität erfordert daher einen ganz eigenen Zugang, der das Unvorhersehbare nicht ignoriert, sondern akzeptiert.

In zahlreichen Buchpublikationen und Fachartikeln haben wir in den letzten Jahren ein Verständnis entwickelt, welches einen adäquaten Umgang mit Komplexität erlaubt. Zudem bieten wir Lehrveranstaltungen, Trainings und Beratungsleistungen zum Umgang mit komplexen Prozessen an.

Für die dort vorgestellten Methoden finden sich zahlreiche weiterführende Materialien auf complexity-research.com. 

    

Komplexität

Sucht man im deutschsprachigen Internet die wortexakte Phrase „Wir leben in einer immer komplexer werdenden Welt“, dann finden sich viele tausend Treffer. Die englische Übersetzung („We live in an increasingly complex world“) führt gar zu über einhundert-tausend Übereinstimmungen.

Unter den Treffern finden sich unterschiedliche Arten von Texten, darunter politische Reden, Warnungen vor der Überforderung des Individuums, wissenschaftliche Artikel und populistische Meinungsäußerungen, Rechtfertigungen für Wirtschaftskrise und Bankenrettung, Gründe für Burnout und Zivilisationskrankheiten, und so weiter.

Doch trotz der Allgegenwart der in Medien, Wissenschaft und Alltag an die Wand gemalten Komplexität und der damit verbundenen Bedrohungsszenarien wird nur selten deutlich, was damit eigentlich gemeint ist. Zwar ist durchaus ein gewisser Konsens feststellbar: „Komplexität“ wird in der Regel als Gegenteil von „einfach“ gebraucht und meint häufig eine Überforderung durch die Vielfalt bzw. Vielgestaltigkeit eines Problems. Genauere Begriffsbestimmungen sind jedoch selten.

Lehre und Beratung zur Komplexitätsforschung widmet sich den Fragen nach dem Wesen der Komplexität, den Gründen für ihr Auftreten und den Möglichkeiten zum Umgang mit Komplexität.

   

Wirtschaftswissenschaft

Fragen über die Möglichkeiten und Grenzen gezielter Steuerungseingriffe in komplexe Systeme spielen in der Managementforschung eine wichtige Rolle und werden z. B. vor dem Hintergrund einer komplexen organisationalen Umwelt in den letzten Jahren wieder neu diskutiert.

Ist das Management komplexer Prozesse überhaupt möglich? Die Lehre und Beratung zum Management komplexer Systeme in Unternehmen und Wirtschaft gründet sich zunächst auf einer klaren Unterscheidung einfacher, komplizierter, komplexer und zufälliger Prozesse. Für die verschiedenen Möglichkeiten werden adäquaten Managementgrundhaltungen und Vorgehensweisen vorgeschlagen. Zentral ist dabei der Umstand, dass Komplexität nicht durch ein noch mehr an Wissen überwunden werden kann.

Ein adäquater Umgang mit Komplexität macht es erforderlich die Gründe für komplexe Prozesse umfassend verstehen zu können.

 

Menschen als bio-psycho-soziale Systeme

Menschen sind hochgradig komplexe bio-psycho-soziale Systeme. Viele biologische Prozesse, die vor einigen Jahren noch als wenig komplex galten haben sich inzwischen als komplex herausgestellt.

Beispiele dafür sind etwa die komplexe, weil chaotische Bandbreite der Herzratenvariabilität. Eine starre und konstante Herzrate verweist auf gesundheitliche Probleme, die z.B. durch geringe körperliche Fitness hervorgerufen werden oder dazu führen. Ein gesundes Herz variiert seine Schlagfrequenz chaotisch. 

Psychische und soziale Prozesse galten immer schon als komplexer und schwerer verstehbar als die naturwissenschaftlich abbildbaren biologischen Prozesse. Das Komplexität auf allen Ebenen menschlichen Verhaltens, Denkens, Kommunizierens und Erlebens auftreten kann ist hingegen eine recht neue Erkenntnis.

Für das Verständnis bio-psycho-sozialer Prozesse in und zwischen Menschen ist daher eine theoretische und methodische Grundhaltung erforderlich, die mit dieser Komplexität adäquat umgehen kann.

In Lehre und Beratung geht es hier vor allem um das Verständnis komplexer Lernprozesse, wie sie in Pädagogik, Didaktik, Therapie und Beratung angestrebt werden. Diese lassen sich mit den Methoden der Komplexitätsforschung heute besser verstehen als noch vor wenigen Jahren.

 

Methodenlehre

complexity-research versteht sich als Forschungsinstitut, welches zudem Lehre und Beratung anbietet. Einige Methoden der Komplexitätsforschung sind zudem recht neu und unter anderen von complexity-research mit- und weiterentwickelt worden.

Es liegt daher nahe, dass unsere Lehr- und Beratungstätigkeit sich auch auf methodische Kompetenzen, von der Planung großer Forschungsprojekte bis hin zu ihrer Publikation, erstreckt.

    

Abbildung: Rössler-Attraktor

Die Abbildung zeigt einen Ausschnitt aus dem Rössler-Attraktor. Dabei handelt es sich um die Darstellung eines recht einfachen mathematischen Systems, welches trotz seiner Einfachheit zu Chaos fähig ist. D.h. für dieses System ist es trotz Kenntnis der mathematischen Gleichungen nicht möglich eine langfristige Vorhersage zu machen.
Der Chemiker Erwin Rössler hat Chaos mit einem Knetvorgang verglichen, mit dem auch eine Bäckerin, ein Bäcker den Brotteig durchknetet. Der Teigklumpen wird auf der Arbeitsplatte zunächst auseinander gedrückt oder gewalzt. Was gerade noch dicht beisammen war, wird auseinandergetrieben. Danach wird der Teig zusammengefaltet und wieder zu einem Klumpen vereint, bevor er erneut ausgewalzt und wieder zusammengelegt wird.
(Mehr dazu: Strunk, G. & Schiepek G. (2014) Therapeutisches Chaos)

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