Forschung / Mensch als bio-psycho-soziales System

Menschen sind komplexe Systeme

Menschen sind hochgradig komplexe bio-psycho-soziale Systeme. Viele biologische Prozesse, die vor einigen Jahren noch als wenig komplex galten, haben sich inzwischen als komplex herausgestellt.

Beispiele dafür sind etwa die komplexe, weil chaotische Bandbreite der Herzratenvariabilität. Eine starre und konstante Herzrate verweist auf gesundheitliche Probleme, die z.B. durch geringe körperliche Fitness hervorgerufen werden oder dazu führen. Ein gesundes Herz variiert seine Schlagfrequenz chaotisch. 

Ein anderes Beispiel: Epileptische Anfälle und auch andere neurologische Anfallsleiden sind in der Regel durch eine dramatische Gleichtaktung größerer Neuronenverbände gekennzeichnet. Dieser neuronale Gleichklang ist weniger normal als das chaotische Durcheinander gesunder Neuronenverbände.

complexity-research hat sich in den letzten Jahren vor allem mit der Komplexität in psychischen und sozialen Systemen beschäftigt. In zahlreiche Publikationen zeigen unsere Forschungsarbeiten, dass menschliches Verhalten nur dann verstanden werden kann, wenn die Komplexität des bio-psycho-sozialen Systems Mensch berücksichtigt wird.

Insbesondere Lernprozesse, wie sie in Pädagogik, Didaktik, Therapie und Beratung angestrebt werden, lassen sich mit den Methoden der Komplexitätsforschung heute besser verstehen als noch vor wenigen Jahren.

   

Publikationen

Publikationen von complexity-research zur Komplexität menschlichen Verhaltens finden sich hier (vgl. auch Publikationen allgemein):

   

Bücher

Strunk G. & Schiepek, G. (2014) Therapeutisches Chaos. Eine Einführung in systemisches Denken und Komplexitätstheorie. Band 2 der Reihe „Systemische Praxis“. Göttingen: Hogrefe Verlag.

Strunk G. & Schiepek G. (2006) Systemische Psychologie. Eine Einführung in die komplexen Grundlagen menschlichen Verhaltens. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg.

Manteufel, A. & Schiepek, G., unter Mitarbeit von Reicherts, M., Strunk, G., Wewers, D. (1998) Systeme spielen. Selbstorganisation und Konzeptentwicklung in sozialen Systemen. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht.

Schiepek, G. & Strunk, G. (1994) Dynamische Systeme. Grundlagen und Analysemethoden für Psychologen und Psychiater. Heidelberg: Asanger.

    

Zeitschriftenbeiträge (Psychologie)

Schiepek G., Aichhorn W. & Strunk G. (2012) Der Therapie-Prozessbogen (TPB). Faktorenstruktur und psychometrische Daten. Zeitschrift für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, 58: 257-365.

Walter, S., Schiepek, Günter, Schneider, S., Strunk, G., Kaimer, P., Mergenthaler, E. (2010) The synchronization of plan activations and emotion-abstraction patterns in the psychotherapeutic process: A single-case study. Psychotherapy Research (International Journal of the Society for Psychotherapy Research, SPR), 20 (2): 214-223.

Strunk G. (2006) Vom Kern des Systemischen und dem Drumherum. Systeme. Interdisziplinäre Zeitschrift für systemtheoretisch orientierte Forschung und Praxis in den Humanwissenschaften, 20 (2): 133-156.

Strunk, G. & Schiepek, G. (2002) Dynamische Komplexität in der Therapeut-Klient-Interaktion. Therapieforschung aus dem Geiste der Musik. Psychotherapeut, 47 (5): 291-300.

Strunk, G. (2000) Die Theorie nichtlinearer dynamischer Systeme – Grundsätzliches – Nutzen – Therapie. Systeme. Interdisziplinäre Zeitschrift für systemtheoretisch orientierte Forschung und Praxis in den Humanwissenschaften, 14 (2): 185-197.

Strunk, G. (1998) Die Selbstorganisationshypothese der Psychotherapie. Systeme. Interdisziplinäre Zeitschrift für systemtheoretisch orientierte Forschung und Praxis in den Humanwissenschaften, 12 (2): 3-21.

Schiepek, G., Kowalik, Z. J., Schütz, A., Köhler, M., Richter, K., Strunk, G., Mühlnwinkel, W. & Elbert, T. (1997) Psychotherapy as a Chaotic Process. Part I: Coding the Client-Therapist Interaction by Means of Sequential Plan Analysis and the Search for Chaos: A Stationary Approach. Psychotherapy Research (International Journal of the Society for Psychotherapy Research, SPR), 7 (2): 173-194.

Strunk, G. & Schiepek, G. (1996) Der Belusow-Zahbotinsky-Attraktor. Eine kleine Geschichte zum Logo der Zeitschrift „Systeme“. Struktur, Konstruktion, Konversation. Die Dynamik der Systemischen Therapie. Systeme. Interdisziplinäre Zeitschrift für systemtheoretisch orientierte Forschung und Praxis in den Humanwissenschaften, Jubiläumsband anläßlich des zehnjährigen Bestehens der Österreichischen Arbeitsgemeinschaft für systemische Therapie und systemische Studien (ÖAS): 176-179.

Schiepek, G., Schütz, A., Köhler, M., Richter, K. & Strunk, G. (1995) Die Mikroanalyse der Therapeut-Klient-Interaktion mittels Sequentieller Plananalyse. Teil I: Grundlagen, Methodenentwicklung und erste Ergebnisse. Psychotherapie Forum, 3 (1): 1-17.

Schiepek, G., Strunk, G. & Kowalik, Z. J. (1995) Die Mikroanalyse der Therapeut-Klient-Interaktion mittels Sequentieller Plananalyse. Teil II: Die Ordnung des Chaos. Psychotherapie Forum, 3 (2): 87-109.

   

Weiterlesen:

Komplexitätsforschung

Was ist Komplexität?

Was ist Chaos?

Was ist ein System?

Was ist Nichtlinearität?

  

Abbildung: Rössler-Attraktor

Die Abbildung zeigt einen Ausschnitt aus dem Rössler-Attraktor. Dabei handelt es sich um die Darstellung eines recht einfachen mathematischen Systems, welches trotz seiner Einfachheit zu Chaos fähig ist. D.h. für dieses System ist es trotz Kenntnis der mathematischen Gleichungen nicht möglich eine langfristige Vorhersage zu machen.
Der Chemiker Erwin Rössler hat Chaos mit einem Knetvorgang verglichen, mit dem auch eine Bäckerin, ein Bäcker den Brotteig durchknetet. Der Teigklumpen wird auf der Arbeitsplatte zunächst auseinander gedrückt oder gewalzt. Was gerade noch dicht beisammen war, wird auseinandergetrieben. Danach wird der Teig zusammengefaltet und wieder zu einem Klumpen vereint, bevor er erneut ausgewalzt und wieder zusammengelegt wird.
(Mehr dazu: Strunk, G. & Schiepek G. (2014) Therapeutisches Chaos)

Quick Links

- Bücher
- Lehre
- Software
- Videos
- Home