Komplexität / komplexe Welt

    

Leben wir in einer immer komplexer werdenden Welt?

Im Dezember 2011 findet sich die Behauptung, „Wir leben in einer immer komplexer werdenden Welt“ laut Google wortgleich 13.800 Mal im deutschsprachigen Internet. Die englische Übersetzung liefert sogar 87.100 Treffer für die wortexakte Suche nach „we live in an increasingly complex world“.

Damit scheint "Komplexität" eines der zentralen Modeworte der letzten Jahre zu sein. Gleichzeitig wird eine zunehmend steigende Komplexität konstatiert und werden daraus weitreichende Schlussfolgerungen für zahlreiche Bereiche des menschlichen Lebens abgeleitet. Komplexität wird im alltäglichen Sprachgebrauch, in den Reden von Politikern und in Fachartikeln mal als treibende Kraft und mal als Folge des Zeitgeistes interpretiert.

Zurückgeführt wird eine wachsende Komplexität z. B. auf die zunehmende Verflechtung der Weltwirtschaft, globale Informations- und Kommunikationssysteme oder technische Innovationen. Dabei werden Folgen diskutiert für:

Trotz der zentralen Bedeutung des Komplexitätsbegriffes bleibt eine Definition – auch in wissenschaftlichen Aufsätzen – häufig nebulös oder wird gar nicht angeboten. In einigen Aufsätzen wird Komplexität über die Zahl der Variablen des Systems definiert. In dieser recht einfachen Definition wird jedoch die Dynamik der betrachteten Systeme vernachlässigt; auch die Struktur des Systems und der Charakter seiner Wechselwirkungsbeziehungen spielen dort keine wesentliche Rolle.

Wenn man sich vor Augen führt, wie im Fußballstadion 30.000 Fans beim Siegestreffer ihrer Mannschaft alle zugleich in Jubel ausbrechen und dabei jede Individualität vermissen lassen, kommen schnell Zweifel, ob die Komplexität eines Systems nur von seiner Größe, also der Zahl der beteiligten Elemente abhängt. Mitunter scheint jedenfalls auch das Gegenteil der Fall zu sein.
 
Aus einer wissenschaftlichen Perspektive stellen sich daher eine Reihe von Fragen:

Was ist Komplexität?

Was ist Chaos?

Was ist ein System?

Was ist Nichtlinearität?

  

 

   

Abbildung: Rössler-Attraktor

Die Abbildung zeigt einen Ausschnitt aus dem Rössler-Attraktor. Dabei handelt es sich um die Darstellung eines recht einfachen mathematischen Systems, welches trotz seiner Einfachheit zu Chaos fähig ist. D.h. für dieses System ist es trotz Kenntnis der mathematischen Gleichungen nicht möglich eine langfristige Vorhersage zu machen.
Der Chemiker Erwin Rössler hat Chaos mit einem Knetvorgang verglichen, mit dem auch eine Bäckerin, ein Bäcker den Brotteig durchknetet. Der Teigklumpen wird auf der Arbeitsplatte zunächst auseinander gedrückt oder gewalzt. Was gerade noch dicht beisammen war, wird auseinandergetrieben. Danach wird der Teig zusammengefaltet und wieder zu einem Klumpen vereint, bevor er erneut ausgewalzt und wieder zusammengelegt wird.
(Mehr dazu: Strunk, G. & Schiepek G. (2014) Therapeutisches Chaos)

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