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Komplexität

Complexity-Research bietet Forschung und Beratung im Umgang mit komplexen Systemen an. Doch was genau ist eigentlich mit Komplexität gemeint? Was ist ein System und was macht es komplex? Was unterscheidet eine nichtlineare Dynamik von einer linearen? Und was ist mit dem Begriff des „deterministischen Chaos” gemeint?

Leben wir in einer immer komplexer werdenden Welt?

„Oh! Heute hat der Krieg begonnen. Niemand wollte es glauben.“ Mit diesen Sätzen eröffnet Astrid Lindgren am 1. September 1939 ihr Tagebuch. Später – am 12.05.1942 – stellt sie fest: „Aber die Menschheit hat nun einmal komplett den Verstand verloren“. Im Frühjahr 2022 beginnt erneut ein Krieg in Europa – ein russischer Angriffskrieg im dritten Jahr der Pandemie. Die Jahre davor waren geprägt von Finanz-, Wirtschafts- und Währungskrise, eingeleitet durch die Pleite der Investmentbank Lehman Brothers sowie der Reaktorkatastrophe von Fukushima. Davor folgten der 11. September 2001, der Fall der Mauer und das Reaktorunglück in Tschernobyl. Unfassbare, alles verändernde – und zuvor für unmöglich gehaltene – Ereignisse scheinen sich in immer schnellerer Folge zu ereignen. Hinzu kommt die Bedrohung durch den Klimawandel. Unter dem Eindruck der Wirtschaftskrise bezeichnete Wolfgang Schmidbauer schon im Jahr 2011 Unsicherheit als das am weitesten verbreitete Lebensgefühl. Kein Wunder, wenn vielfach zu hören ist, dass sich die Welt beständig schneller dreht und Unsicherheit sowie Komplexität zunehmen. Doch trotz der Allgegenwart der in Medien, Wissenschaft und Alltag an die Wand gemalten Komplexität und der damit verbundenen Bedrohungsszenarien wird nur selten deutlich, was damit eigentlich gemeint ist. Zwar ist durchaus ein gewisser Konsens feststellbar: „Komplexität“ wird in der Regel als Gegenteil von „einfach“ gebraucht und meint häufig eine Überforderung durch die Vielfalt bzw. Vielgestaltigkeit eines Problems. Genauere Begriffsbestimmungen sind jedoch selten.

(Ein Fachartikel von Strunk et al., 2022 geht ausführlich auf die Thematik ein und liefert auch konkrete Quellenbelege für die oben genannten Zitate.)

Mehr zum Leben in einer immer komplexer werdenden Welt

Was ist Komplexität?

Der Komplexitätsbegriff ist in den letzten Jahren sehr in Mode gekommen. Daher ist es wenig überraschend, dass es keine allgemein akzeptierte Definition für diesen hochkomplexen Begriff zu geben scheint. Viele Definitionen sind physikalisch-mathematischer Natur. Sie zielen beispielsweise auf die Berechenbarkeit des Verhaltens eines Systems ab. So kann die Komplexität einer Zahlenreihe beispielsweise nach der Zeit bemessen werden, die ein Computer benötigt, um diese Zahlenreihe zu generieren (zum Beispiel die Berechnung vieler Nachkommastellen der Wurzel aus zwei), oder nach der Information, die ein Computerprogramm mindestens enthalten muss, um die Zahlenreihe zu erzeugen. Es scheint paradox, aber Komplexität lässt sich messen, und aus der Komplexität sowie ihrer Veränderung im Zeitverlauf lassen sich wichtige Rückschlüsse auf das Verhalten eines Systems ziehen (vgl. Strunk, 2019). Lernprozesse, psychotherapeutische Veränderungen, aber auch das plötzliche Auftreten von Krisen und Umbrüchen lassen sich beispielsweise an einem plötzlichen Komplexitätsanstieg erkennen (vgl. Strunk, 2024).

Mehr zur Frage, was Komplexität eigentlich ist

Komplexität als Thema in Lehre, Training und Beratung

Komplexe Phänomene können das Ergebnis recht einfacher Systeme sein. Das heißt, Komplexität und Unvorhersehbarkeit treten bereits in einfachen Systemen auf, bei denen man meinen könnte, alles zu wissen. Die Ergebnisse der neueren Komplexitätsforschung zeigen, dass Komplexität eher die Regel als die Ausnahme ist und sich nicht durch mehr Wissen überwinden lässt. Der Umgang mit Komplexität erfordert daher einen eigenen Zugang, der das Unvorhersehbare nicht ignoriert, sondern akzeptiert (vgl. Strunk, 2021). Es ist auch hilfreich zu verstehen, wie Komplexität entsteht, woran man sie erkennt und wie man sie nutzen und beeinflussen kann. In Forschung und Lehre sowie in der Beratung greifen wir auf diese Erkenntnisse zurück. Das zeigt sich auch in zahlreichen Buchpublikationen und Fachartikeln, in denen wir ein Verständnis entwickeln, das einen adäquaten Umgang mit Komplexität ermöglicht.

Mehr zu Lehre und Training

Mehr zum Beratungsangebot

Abbildung: Gewinne im DAX

Die Abbildung zeigt die täglichen Gewinne und Verluste im Deutschen Aktien Index (DAX). Seit den 1980er Jahren gibt es Methoden um in Aktienkursen Chaos zu suchen. Nach anfänglichen Erfolgen kam es zur Ernüchterung. Aktienkurse sind häufig noch komplexer als deterministisches Chaos. Neuere Arbeiten von Complexity-Research zeigen, dass im Umfeld besonderer Ereignisse (Krisen, Vorstandswechsel) zeitlich begrenzte Phasen niedrigdimensionalen Chaos auftreten können.
(Mehr dazu: Strunk, G. (2015 - in Vorbereitung) Wie man Komplexität messen kann.)

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