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Guido Strunk

Die Komplexitätshypothese der Karriereforschung

Erscheinungstermin: Januar 2009, bei Peter Lang - Internationaler Verlag der Wissenschaften

Eine Behauptung zieht sich wie ein roter Faden durch die neuere Karriereforschung: Karrieren werden immer komplexer. Einige Forscher-Kolleginnen und Kollegen betrauern bereits den Tod der Karriere und meinen, die Anstellung auf Lebenszeit sei Nostalgie.

Karrieren als mehr oder minder vorgezeichnete Wege durch das Berufsleben wird es in Zukunft nicht mehr geben, so lautet der Grundtenor vieler Studien. Daten aus unserer Studie zeigen, dass ca. die Hälfte der Karrieren innerhalb der ersten vier Jahre von mindestens einem Arbeitsplatzwechsel unterbrochen wird. Mindestens ein Arbeits­platz­wechsel in den ersten vier Jahren – ist das viel? Auf jeden Fall ist es in den letzen 30 Jahren nicht mehr geworden. Die Zahlen für Karrieren, die in den 1970er Jahren, den 1990er Jahren oder ab 2000 begannen, unterscheiden sich nicht. Gibt es die viel beschworene Zunahme in der Komplexität von Berufskarrieren gar nicht?

Dass Karrieren in den letzten 30 Jahren tatsächlich komplexer geworden sind, zeigt sich erst dann, wenn man genauer hinschaut und nach den Karriere-Mustern sucht. Erst mit den Methoden der Chaosforschung lässt sich deutlich zeigen, was bisher nur vermutet wurde. Karrieren werden zunehmend zufälliger und sind zunehmend weniger planbar. Auch wenn die Zahl der Arbeitsplatzwechsel sich nicht wesentlich erhöht hat, sind die Unterbrechungen in der Karriere heute weniger vorhersehbar als früher, kommen plötzlich und aus heiterem Himmel. Die Karrieren ab dem Jahr 2000 gleichen eher einem Glücksspiel als einer vorgezeichneten Laufbahn. Das war in den 1990er Jahren noch nicht so und erst recht nicht in den 1970er Jahren.

Die Gründe für diese Entwicklungen sind recht vielgestaltig, haben aber letztlich damit zu tun, dass heute kaum mehr ein Unternehmen bereit ist, langfristige Sicherheiten zu bieten. Der zunehmende Flexibilisierungsdruck wird direkt an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weitergegeben. Inwieweit sich diese mit den Umständen arrangieren können und heute auch nicht unzufriedener sind als vor 30 Jahren, hängt davon ab, wie nostalgisch ihre Erwartungen an ihre Karrieren sind bzw. wie gut sie es aushalten, nicht genau zu wissen, wo’s lang geht.

  

Inhaltsverzeichnis von "Die Komplexitätshypothese der Karriereforschung"

 

Guido Strunk

Operationalizing Career Complexity

management revue, volume 20, issue 3, 2009

There are a growing number of studies describing developments in the labour market, in employer-employee relationships, and in individual careers in a very similar way. The discussion about work force flexibility and the challenges for HRM to handle scattered arrangements is often justified by a growing complexity caused by the driving forces of globalization, virtualization, demographic developments or changes in values. However, so far there is no empirical evidence for that complexity hypothesis in individual careers. The primary aim of this article is to approach the complexity hypothesis of career research on the basis of a sound definition for complexity and to test the complexity hypothesis for data from the Vienna Career Panel Project.

 

Artikel-Download mit freundlicher Genehmigung des Rainer Hampp Verlags (www.Hampp-Verlag.de).

 

 

 

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